Literaturempfehlungen
- 17. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Wenn man anfängt, sich mit Nuklearchemie oder Radioaktivität im Allgemeinen zu beschäftigen, möchte man ein gutes Nachschlagewerk haben. Die meiste akademische Literatur ist heutzutage auf Englisch geschrieben. Ich möchte im Folgenden einmal kurz meine Meinung zu einigen Büchern abgeben, die ich zumindest teilweise gelesen habe.
Nuclear and Radiochemistry von Karl Heinrich Lieser

"Nuclear and Radiochemistry" geschrieben von Karl Heinrich Lieser. Das ist das klassische Nachschlagewerk, das Studierende bei uns an der Universität im 4. Bachelorsemester an die Hand bekommen. Es bietet für Akademiker einen umfassenden Überblick über die theoretischen Grundlagen der Nuklearchemie. Mit vielen Diagrammen werden zahlreiche Sachverhalte veranschaulicht. Gleichungen werden nur eingesetzt, wo es notwendig ist. In einigen Versionen gibt es sogar Übungsaufgaben. Die Laborpraxis wird hierbei nicht in den Vordergrund gestellt. Einige ungenaue Formulierungen wurden in einer späteren Ausgabe, liebevoll in Anlehnung an die Autoren "Kratz-Lieser" genannt, ausgebessert. Dadurch wird der Inhalt aber etwas anspruchsvoller.
Verfügbarkeit: | 1/5 |
Einsteigerfreundlichkeit | 2/5 |
Sprache | Deutsch/Englisch |
Fachlichkeit | 5/5 |
Methoden der Kern- und Radiochemie von P. Hoffmann und K. H. Lieser

Erhältlich als etwas größeres DIN A5 Softcover-Buch. Auf 224 Seiten werden einem praxisnahe Arbeitsweisen und Experimente für das nuklearchemische Labor vorgestellt. Im ersten Teil des Buches werden einem die Grundlagen vorgestellt. Dabei wird ausschließlich auf praxisrelevante Theorie eingegangen. Der radioaktive Zerfall wird kurz erklärt. Hierbei wird sofort Bezug zum Messverfahren im Labor gestellt. Exotische Zerfallsarten und Effekte, die einem in der Ausbildung nicht im Labor begegnen, werden hier nicht angesprochen. Strahlenschutzrelevante Größen werden ebenfalls erklärt.
Im zweiten Teil werden Anleitungen für spannende Experimente vorgestellt, die man theoretisch 1:1 so im Labor nachmachen könnte.
Bei der Versuchsdurchführung merkt man allerdings, dass das Buch in der goldenen Ära der Nuklearchemie verfasst wurde. Eine "Vorratslösung von 227Ac (0,1 bis 1 MBq/ml)", wie sie für das Experiment "Trennung des 227Ac von seinen Folgeprodukten" gebraucht wird, steht heute nur sehr wenigen professionellen Laboren zur Verfügung.
Die Durchführung der Experimente ist allerdings sehr detailliert beschrieben und in seltenen Fällen mit Zeichnungen der Experimentieraufbauten gekennzeichnet. Ein mittlerweile leider praxisfernes, aber interessantes Buch.
Verfügbarkeit: | 5/5 |
Einsteigerfreundlichkeit | 3/5 |
Sprache | Deutsch |
Fachlichkeit | 5/5 |
Discovery of Isotopes von Michael Thoennessen

Was ein tolles Buch! Auf vielen spannenden Seiten wird in chronologischer Reihenfolge die Entdeckungsgeschichte der Isotope kurz erläutert. Dabei wird sowohl auf die radioak
tiven als auch die stabilen Isotope eingegangen. Die Entdeckung neuer Isotope geschah oft in Etappen, meist durch den Bau einer neuen Messapparatur, wie dem Massenspektrometer, wodurch eine neue Bandbreite an Isotopen zur Entdeckung offenstand. Diese Struktur ist gut in dem Buch dargestellt. Tabellarisch werden in jedem Kapitel alle neu entdeckten Isotope mit Datum, Referenz und Isotopenart zusammengefasst. Meist gibt es eine Tabelle pro "Entdeckungsevent", z. B.: Francis W. Astons erste und zweite Messreihe mit seinem Massenspektrographen.
Das Buch ist ein recht neues Werk und wird jährlich um die aktuellsten Entdeckungen erweitert. Digital ist es öffentlich zugänglich hier einzusehen.
Auch wenn ich manchmal mit der ausgezeichneten "Entdeckung" eines Isotops nicht übereinstimme, weil ich manchmal die ganze Story, die hinter dem gesetzten Datum unterschlagen wird, finde, gebe ich hier trotzdem 5/5, da die anfangs erläuterten Kriterien konsequent angelegt wurden.
Verfügbarkeit: | 5/5 |
Einsteigerfreundlichkeit | 5/5 |
Sprache | Englisch |
Fachlichkeit | 5/5 |
European Atlas of Natural Radiation vom JRC

Und der Award für die komischste Formatierung einer Printausgabe geht an... (Wer druckt denn bitte im DIN-A3-Format?!)
Jokes aside, es ist wirklich ein gutes Buch mit wertvollen Informationen. Als Quelle kann es gerne in Abschlussarbeiten für allgemeingültige Fakten genutzt werden. Aktuelle Details können nicht in einem Buch von 2019 wiedergegeben werden, aber sind nachvollziehbar dargestellt. Kapitel 2 "General Background Information" wäre ideal für den Physikun
terricht, da sowohl die relevanten Grundlagen erklärt werden, wie auch praktische Messungen erläutert werden. Beispielsweise gibt es auch Screenshots von einer Gamma-Messung in GammaVision.
Kapitel 3 "Terrestrial Radionuclides" ist eine nette Übersicht für die europäische Verteilung von Uran, Thorium und 40K. Wer aber geochemische Einblicke für die Ursache der erhöhten Radionuklidgehalte haben möchte, findet sie hier nicht. In weiteren Kapiteln wird auf Radon und dessen Messverfahren sowie weitere relevante Radionuklide in der Umwelt und in der Nahrung eingegangen. Geochemische Tracer, wie kosmogene Radionuklide, werden hier nicht erwähnt. Das Buch kann als sehr gute Übersicht dienen, vor allem wenn es um das Thema Umweltradioaktivität geht. Wer dazu eine Forschungsarbeit macht, sollte das passende Kapitel auf jeden Fall vorher gelesen haben.
Das ist ein Buch, das ich jeder Schule empfehlen würde. Digital gibt es das Buch hier kostenlos. Als Print kann man es sich von der Europa Bibliothek zuschicken lassen, muss aber den Versand von ca. 20 Euro bezahlen. Das Buch selbst soll wohl gratis sein.
Verfügbarkeit: | 5/5 |
Einsteigerfreundlichkeit | 5/5 |
Sprache | Englisch |
Fachlichkeit | 5/5 |
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